Julia Pichler

„Gerade in einem internationalen Umfeld ist es entscheidend, dass Inhalte nicht nur inhaltlich stimmen, sondern auch anschlussfähig sind, über Funktionen, Kulturen und Hierarchieebenen hinweg.“

Julia Pichler verantwortet bei Canon das B2B Marketing, an der Schnittstelle zwischen Business, IT und Fachbereich. Präsentationen komplexer Lösungen, Abstimmungen mit Vertrieb und Partnern, Events. Nach Jahren an der Präsentations-Front sucht man dort nach mehr Präsenz und Souveränität in angespannten Situationen. Die Basics sind kein Thema mehr. Deshalb hat Sie The Business Stage besucht.

Im Gespräch erzählt sie, was passiert, wenn professionelle Schauspieler ins Spiel kommen, warum Präsentationsroutinen im Training plötzlich sichtbar werden und wieso das ein Feedback ermöglicht, das kein klassisches Training liefert.

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Julia Pichler von Canon | Fotocredit: Jan Christoph Elle

Fotocredit: Jan Christoph Elle

Act2Biz: Was machst du bei Canon, und welche Kommunikationssituationen begegnen dir dabei regelmäßig?

Julia Pichler: Ich verantworte im B2B Marketing die Marktansprache für all unsere Lösungen mit. Viele verbinden Canon als erstes mit Kameras, tatsächlich begleiten wir Unternehmen in unterschiedlichsten Bereichen entlang ihrer gesamten (Informations-)prozesse: von der Erfassung über Workflows bis zum Output.

Meine Kommunikation bewegt sich daher oft an der Schnittstelle zwischen Business, IT und Fachbereich. Typische Situationen sind Präsentationen komplexer Lösungen, interne Abstimmungen mit Vertrieb und Partnern sowie inhaltlicher Fokus bei intern und externen Events. Es geht fast immer darum, komplexe Inhalte klar, relevant und überzeugend zu vermitteln.

Act2Biz: Wie hoch ist der Anspruch intern an die Art, wie ihr als Team und als Führungskräfte kommuniziert?

Pichler: Sehr hoch. Canon steht für Qualität und Präzision, das gilt auch für Kommunikation.

Intern heißt das: klare Botschaften, strukturierte Argumentation und ein respektvoller, professioneller Austausch. Gerade in einem internationalen Umfeld ist es entscheidend, dass Inhalte nicht nur inhaltlich stimmen, sondern auch anschlussfähig sind, über Funktionen, Kulturen und Hierarchieebenen hinweg.

Führung bedeutet bei uns auch, Orientierung zu geben. Das funktioniert nur mit konsistenter, glaubwürdiger Kommunikation.

Act2Biz: Was hast du von dem Workshop erwartet, ohne vorher etwas genaues zu wissen?

Pichler: Ich habe erwartet, aus meiner Komfortzone herauszukommen und an meiner Wirkung zu arbeiten, weniger inhaltlich, mehr auf der persönlichen Ebene.

Nach vielen Jahren Präsentationserfahrung sucht man nicht mehr die Basics, sondern den nächsten Schritt: mehr Präsenz, mehr Klarheit in angespannten Situationen, mehr Souveränität, wenn es darauf ankommt.

Act2Biz: Was hat dich an der Kombination aus Theater und Business neugierig gemacht?

Pichler: Weil sie genau dort ansetzt, wo klassische Trainings oft aufhören: bei Haltung, Wirkung und Emotion.

Im Business sind wir sehr rational unterwegs. Theater bringt eine andere Perspektive hinein, unmittelbarer, ehrlicher, manchmal auch unbequemer. Genau das macht es spannend. Denn am Ende entscheiden nicht nur Fakten, sondern wie sie transportiert werden.

Act2Biz: Wie war der erste Moment im Training? Was hat dich überrascht?

Pichler: Der Einstieg war sehr direkt. Keine lange Theorie, sondern sofort in die Situation.

Überrascht hat mich, wie schnell man aus Routinen fällt und wie sichtbar das wird. Dinge, die man im Alltag gar nicht hinterfragt, werden plötzlich sehr klar. Das war im ersten Moment ungewohnt, aber genau deshalb wirkungsvoll.

Act2Biz: Was passiert in so einem Format, das in einem klassischen Training nicht möglich ist?

Pichler: Du bekommst eine unmittelbare, ungefilterte Reaktion.

Durch die Arbeit mit Schauspielern entstehen Situationen, die sich real anfühlen, inklusive Druck, Dynamik und Emotion. Man kann nicht „durchmoderieren“ oder sich hinter Folien verstecken.

Das zwingt einen dazu, präsent zu sein, zuzuhören und spontan zu reagieren. Diese Form von Lernen ist deutlich nachhaltiger, weil sie im Körper und nicht nur im Kopf stattfindet.

Act2Biz: Hatten die professionellen Schauspieler einen anderen Effekt als erwartet?

Pichler: Ja, definitiv.

Sie sind extrem fein in ihrer Wahrnehmung und reagieren auf kleinste Signale. Dadurch wird die eigene Wirkung sehr klar gespiegelt, präziser als durch klassisches Feedback.

Gleichzeitig schaffen sie einen geschützten Raum, in dem man Dinge ausprobieren kann, ohne dass es „konsequenzenreich“ ist. Diese Kombination ist sehr wertvoll.

Act2Biz: Für wen wäre dieses Training besonders wertvoll?

Pichler: Für alle, die regelmäßig vor anderen stehen und Wirkung erzeugen müssen.

Das betrifft Führungskräfte, Vertrieb, Consultants, aber auch Marketingrollen wie mich, gerade wenn es um komplexe Themen geht. Besonders wertvoll ist es für Menschen, die fachlich stark sind, aber in kritischen Situationen noch mehr Präsenz und Klarheit entwickeln wollen.

Act2Biz: Abschlusssatz: Was nimmst du mit?

Pichler: Wirkung entsteht im Moment und sie ist trainierbar.

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