Warum gute Personalauswahl mehr braucht als Daten und Gespräche.

Fehlbesetzungen sind richtig teuer. Je höher die Position um so teurer werden Fehlbesetzungen. Und trotzdem verlassen sich viele Unternehmen bei der Entscheidung oft alleine auf das Gespräch. Das Gespräch ist gut und zeigt, wie jemand denkt, kommuniziert, sich präsentiert. Was es allerdings nicht zeigt: wie jemand führt, wenn es unangenehm wird.

Das klassische Assessment-Center hat ein Glaubwürdigkeitsproblem

Assessment-Center gelten als methodisch sauber. Strukturierte Übungen, Beobachter mit Kriterien, Protokolle. Das klingt nach Objektivität. Und bis zu einem gewissen Punkt ist es das auch.

Das Problem liegt woanders: Was klassische ACs messen, ist oft das Verhalten unter Laborbedingungen. Kandidat:innen wissen, dass sie beobachtet werden. Sie bereiten sich vor, optimieren sich, performen. Was beobachtet wird, ist nicht die Person – sondern ihre beste Version unter künstlichem Druck. Was passiert bei wirklichem Druck, wenn es stürmt, Chaos ausbricht?

Es ist ein strukturelles Problem. Denn echte Führungssituationen sehen anders aus: Sie sind unvorbereitet, emotional aufgeladen, widersprüchlich. Wer in der Postkorb-Übung glänzt, muss noch lange nicht wissen, wie er mit einem weinenden Mitarbeiter um 17:30 Uhr umgeht.

„Auf dem Papier war er der beste Kandidat. Im Team ist er nie angekommen.“
– eine Wortwahl, die so manchen HR-Entscheider bekannt vorkommen wird.

Persönlichkeitsprofile lösen das Problem nicht. Alleine.

Verhaltensbasierte Persönlichkeitsanalysen wie DISC-Profile oder Emotionale-Intelligenz-Assessments liefern echten Mehrwert: Sie machen sichtbar, wie jemand unter Druck reagiert, wo blinde Flecken liegen, welche Verhaltensmuster sich in Stressphasen verstärken.

Aber auch hier gilt: Ein Profil ist ein Selbstbild. Es zeigt, wie jemand sich selbst einschätzt oder wie er in ruhiger, reflektierter Umgebung antwortet. Zwischen Selbstbild und tatsächlichem Verhalten in einer echten Konfliktsituation kann ein erheblicher Abstand liegen.

Profil allein = Landkarte ohne Gelände.
Simulation allein = Gelände ohne Orientierung.

Schauspielerin auf der Bühne. Voll beleuchtet.

Was passiert, wenn beides zusammenkommt

Der entscheidende Schritt ist die Verbindung: Wer weiß, wie jemand tickt (Profil), und gleichzeitig beobachtet, wie er sich in wirklichkeitsnahen Situationen verhält (Simulation), bekommt ein Bild, das Interviews und Standardübungen nicht liefern können.

Konkret bedeutet das:

Aus dem Profil werden relevante Situationen abgeleitet. Szenarien, die gezielt auf die Stärken und Risikomuster der Person eingehen. Wie verhält sie sich, wenn ihr Verhaltensprofil Konfliktscheu anzeigt und sie trotzdem eine klare Entscheidung kommunizieren muss? Wie reagiert jemand mit hohem Dominanzwert, wenn das Team nicht mitgeht?

Professionelle Schauspieler:innen spielen die Gegenüber. Nicht Kolleg:innen, die nett sein wollen. Nicht Trainer, die beobachten und gleichzeitig agieren müssen. Ausgebildete Personen, die eine Situation so lange halten, bis echtes Verhalten entsteht – und nicht nur gutes Auftreten.

Was gemeint ist und was ankommt, klafft oft weit auseinander. Erst in der Situation wird das sichtbar.
Drei Fragen, die eine kombinierte Methode beantworten kann

  1. Wie verhält sich die Person, nicht wie präsentiert sie sich?
    Selbstdarstellung ist trainierbar. Echtes Verhalten unter Druck ist schwerer zu kontrollieren. Wirklichkeitsnahe Simulationen schaffen den Druck, der nötig ist, damit Verhalten entsteht.
  2. Passt das Profil zur Rolle oder zur Selbstwahrnehmung?
    Manche Menschen wissen sehr genau, wer sie sind. Andere haben ein Selbstbild, das mit dem Fremdbild kaum übereinstimmt. 360°-Feedback und strukturierte Beobachtung machen diesen Unterschied sichtbar mit klaren Konsequenzen für die Eignungsfrage.
  3. Was braucht die Person, um in der Rolle anzukommen?
    Personalentscheidungen enden nicht mit der Unterschrift. Die Frage, ob jemand die richtigen Voraussetzungen mitbringt, ist nur die erste. Die zweite: Was braucht er oder sie, damit die ersten 90 Tage gelingen? Ein gutes Auswahlverfahren liefert dafür bereits die Grundlage.

Was das für Unternehmen bedeutet

Fehlbesetzungen kosten. Studien sprechen von Beträgen, die das ein- bis zweifache Jahresgehalt übersteigen, wenn man Suchkosten, Einarbeitungszeit, Produktivitätsverlust und den Schaden im Team einrechnet. Das ist ein Unternehmensproblem.

Die Frage ist nicht, ob man sich eine kombinierte Methode leisten kann. Die Frage ist, ob man sich eine Entscheidung ohne sie leisten kann.

Ein Gespräch, so gut geführt es auch ist, zeigt jemanden an einem guten Tag, in einem künstlichen Rahmen, mit vorbereiteten Antworten. Das reicht für manche Rollen. Für Führungsrollen reicht es nicht.

The Leadership Stage kombiniert wissenschaftlich fundierte Persönlichkeitsanalyse mit erfahrungsbasiertem Präsenztraining für Personalauswahl, Onboarding und Führungskräfteentwicklung. Modular, individuell abstimmbar. Nähere Infos finden Sie hier.

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