Alejandro Martinez
„Act2Biz hat mich sofort überzeugt. Schon beim ersten Gespräch hatte ich das Gefühl, dass ihr genau versteht, wo ich gerade stehe und wohin ich möchte.“
Alejandro Martinez ist Transformation Consultant bei T60.com und arbeitet dort an der Schnittstelle von Engineering, Innovation und Organisationsentwicklung. Im Gespräch beschreibt er, was ein „human approach“ für Technologie und Unternehmen konkret heißt und warum es nicht reicht, nur bessere Tools zu bauen, wenn die Arbeitsweisen dahinter Menschen überfordern oder ihre Schwächen ausnutzen. Er erklärt, weshalb er sich bewusst auf die TEDx Bühne in Graz stellt, wie aus Resonanz neue Perspektiven entstehen und warum Wirkung nicht im Kopf, sondern im Gegenüber entschieden wird. Außerdem gibt er einen Einblick in die Vorbereitung auf seinen TEDx Talk mit Act2Biz: vom Verdichten komplexer Inhalte auf einen klaren Kern bis zu Präsenz, Stimme und englischer Verständlichkeit, die im Alltag von Tech Führungskräften oft unterschätzt werden.
Act2Biz: Du arbeitest an der Schnittstelle von Engineering, Innovation und Organisationsentwicklung. Viele reden darüber, Technologie menschlicher zu machen. Du setzt das praktisch um. Was bedeutet ein „human approach“ für dich im Kern?
Alejandro Martinez: Für mich bedeutet ein human approach im Kern, dass wir Technologie und Organisationen so gestalten, dass sie dem Menschen in seiner ganzen Komplexität gerecht werden. Das klingt erst einmal selbstverständlich, ist es aber nicht. Sehr oft entwickeln wir Technologien oder Prozesse, als wären Menschen rein rationale und jederzeit verlässliche Maschinen. In Wirklichkeit sind wir emotionale, soziale und biologische Wesen, geprägt von Beziehungen, Bedürfnissen und Grenzen, und immer eingebettet in ein größeres Ökosystem.
Ein humaner Ansatz bedeutet für mich vor allem zwei Dinge. Erstens sollten Technologien den Menschen als Teil eines umfassenden Systems mitdenken, inklusive seiner Verbindung zur Natur, seiner Stärken, seinen Verhaltensweisen und auch seinen Anfälligkeiten. Technologie sollte Menschen unterstützen und ihnen gut tun. Sie sollte sie nicht überfordern, manipulieren oder ihre natürlichen Schwächen ausnutzen.
Und zweitens muss auch die Art, wie wir Technologien entwickeln, menschlich sein. Das heißt, wir brauchen Strukturen und Arbeitsweisen, die sich an der Realität des Menschen orientieren und die Beziehung zwischen Mensch und Natur respektieren, statt Erwartungen zu schaffen, die uns auf Dauer schaden.

A2B: Viele in der Tech-Welt bleiben lieber hinter dem Code oder im Meetingraum. Du dagegen gehst auf die TEDx-Bühne in Graz. Warum? Was suchst du auf einer Bühne, die du im Engineering-Alltag nicht findest?
Martinez: Auf einer Bühne wie TEDxGraz kann ich Menschen auf einer emotionalen Ebene erreichen, etwas, das im technischen Alltag nicht sehr oft vorkommt. Im Engineering dreht sich vieles um Prozesse, Lösungen und Systeme. Auf einer Bühne geht es dagegen darum, Ideen in Bewegung zu bringen und die Menschen hinter den Ideen zu erreichen.
Ich glaube, dass Menschen viele Berührungspunkte brauchen, bevor eine neue Idee für sie greifbar oder überhaupt denkbar wird. Viele bewegen sich in ihren eigenen Informationsblasen und bekommen gar nicht mit, welche Ansätze und Möglichkeiten es da draußen gibt. Wenn ich auf einer Bühne stehe, kann ich einer dieser Berührungspunkte sein. Ich kann zeigen, wie ich über bestimmte Themen denke, welche Erfahrungen ich gemacht habe und warum manche Veränderungen sinnvoll und machbar sind.
Gleichzeitig suche ich dort auch den Austausch. Ich treffe Menschen, die ganz andere Blickwinkel mitbringen oder in manchen Bereichen schon viel weiter sind als ich. Von ihnen lerne ich unglaublich viel. Eine Bühne ist für mich deshalb vor allem ein Ort der Resonanz. Ich gebe etwas hinein und bekomme neue Perspektiven zurück, die ich im Engineering Alltag so nie finden würde.
A2B: Warum hast du dich dafür entschieden, dich mit Act2Biz auf deinen TEDx-Auftritt vorzubereiten? Was war der Auslöser, dass du ein Präsenz- und Stimmtraining nutzen möchtest?
Martinez: Ich war noch nie auf einer solchen Bühne und hatte noch nie einen Vortrag in diesem Format gehalten. Im Business Kontext zu präsentieren ist eine Sache, aber ein TEDx Talk ist etwas ganz anderes. Mir war klar, dass ich dafür nicht nur eine gute Idee brauche, sondern auch eine starke Präsenz, eine klare Stimme und ein Gefühl dafür, wie man eine Botschaft so transportiert, dass sie wirklich wirkt.
Dazu kam, dass ich nicht viel Zeit hatte, um mir all das alleine anzueignen. Also habe ich mir verschiedene Angebote angeschaut. Act2Biz hat mich sofort überzeugt. Schon beim ersten Gespräch hatte ich das Gefühl, dass ihr genau versteht, wo ich gerade stehe und wohin ich möchte. Ihr habt die richtigen Fragen gestellt, einen realistischen Plan entwickelt und nichts versprochen, was nicht erreichbar wäre. Das hat mir Vertrauen gegeben.
Mir war wichtig, jemanden an meiner Seite zu haben, der nicht nur Technik vermittelt, sondern auch versteht, wie man aus einer Idee ein Erlebnis macht. Denn am Ende bleibt nicht nur die Botschaft im Kopf der Menschen, sondern auch die Art, wie sie transportiert wurde. Act2Biz hat mir genau dafür das richtige Werkzeug gegeben.
A2B: Du hast mit Marcus Josef Weiss an Präsenz, Körpersprache und Storytelling gearbeitet. Was hat dich in dieser Einheit am stärksten gefordert und warum?
Martinez: Das Thema ist für mich auf einer sehr persönlichen Ebene wichtig. Ich habe jahrelang dazu geforscht, viele Perspektiven gesammelt und mir ein breites Verständnis aufgebaut. Und genau das wurde in der Zusammenarbeit mit Marcus zur größten Herausforderung: Ich konnte nicht alles sagen, was mir wichtig ist.
Für einen TEDx Talk muss man eine Idee auf den Kern bringen. Das bedeutete für mich, die vielen Gedanken zu sortieren, einen klaren Blickwinkel auszuwählen und meine Geschichte so zu erzählen, dass sie verständlich, logisch und emotional zugänglich ist. Ich musste vieles weglassen, obwohl es mir am Herzen lag. Das war gar nicht so einfach.
Marcus hat mir gezeigt, dass Wirkung nicht dadurch entsteht, dass man alles erzählt, sondern indem man genau das Richtige erzählt. Weniger kann tatsächlich mehr sein. Er hat mir geholfen, meine Botschaft zu verdichten und gleichzeitig eine Form zu finden, die authentisch ist und wirklich bei den Menschen ankommt.
A2B: Ein TEDx-Talk verlangt klare Sprache und internationale Verständlichkeit. Gab es für dich einen Aha-Moment im Training mit Colleen Rae Holmes, speziell in Bezug auf englische Phonetik?
Hat sich deine Wirkung auf Englisch spürbar verändert?
Martinez: Ich bin beim Sprechen oft ein bisschen bequem. Ich verschlucke gerne mal Wortenden, spreche Sachen nicht ganz zu Ende oder mache Abkürzungen, die im Englischen eigentlich gar nicht hingehören. Mir war gar nicht so bewusst, wie sehr das meine Verständlichkeit beeinflusst.
Mit Colleen habe ich dann gemerkt, wie viel klarer eine Botschaft rüberkommt, wenn man sich einfach die Zeit nimmt, Wörter sauber auszusprechen. Wir haben viel an meiner Aussprache gearbeitet, viele kleine Übungen gemacht und auch Atemtraining. Und plötzlich hat meine Stimme ganz anders geklungen. Viel klarer, viel präsenter. Das Lustige daran war, dass es sich in meinem Kopf völlig übertrieben angefühlt hat, fast so, als würde ich künstlich einen super formellen Akzent nachmachen. Aber als ich die Aufnahmen gehört habe, war gar nichts davon zu hören. Ich klang einfach normal, nur eben deutlich und verständlich.
A2B: Gab es nach der Zusammenarbeit mit Marcus, Colleen und den anderen eine konkrete Situation, in der du gemerkt hast, dass du anders wirkst als vorher? Etwas, das du vorher nicht gesehen hast?
Martinez: Nach der Zusammenarbeit mit Marcus, Colleen und den anderen habe ich schnell gemerkt, dass ich auf der Bühne und vor Menschen insgesamt bewusster und präsenter geworden bin. Zwei Dinge haben für mich den größten Unterschied gemacht: die Spannung im Raum und der Augenkontakt.
Die Spannung zwischen Publikum und Vortragendem war mir früher gar nicht so bewusst. Ich habe sie einfach nicht wahrgenommen oder aktiv genutzt. Im Training habe ich gelernt, wie viel Energie eigentlich in dieser Spannung steckt und dass man sie nicht wegdrücken oder vermeiden muss. Man kann sie wahrnehmen, halten und sogar beeinflussen. Wenn man das tut, entsteht erst wirklich eine Verbindung zu den Menschen im Raum.
Der zweite Punkt war der Augenkontakt. Ich habe gelernt, ihn bewusster einzusetzen, auch in Momenten, in denen ich eigentlich im Kopf bin und nach Formulierungen suche. Ihn zu halten, selbst wenn man abgelenkt ist oder gerade nachdenkt, war für mich ein riesiger Unterschied. Das gibt nicht nur mir Ruhe, sondern auch den Menschen, die mir zuhören.
Diese beiden Dinge haben meine Wirkung deutlich verändert. Ich trete gelassener, konzentrierter und gleichzeitig verbundener auf als vorher.
A2B: Wenn du an Engineering-Führungskräfte denkst: Warum sollten gerade Tech-Profis sich mit Präsenz, Stimme und Storytelling beschäftigen?
Martinez: Tech Profis arbeiten heute nicht mehr nur mit anderen Tech Leuten zusammen. Sie müssen ständig mit Menschen sprechen, die komplett andere Hintergründe haben: Management, Kundinnen und Kunden, Politik, Partnerfirmen, manchmal sogar ein Publikum, das überhaupt keinen technischen Bezug hat. Da reicht reine Fachkompetenz einfach nicht aus.
Genau deshalb sind Präsenz, Stimme und Storytelling so wichtig. Es geht darum, Ideen so zu vermitteln, dass sie auch wirklich ankommen. Viele Tech Profis gehen oft davon aus, dass andere ihr Wissen teilen oder „eh verstehen, was gemeint ist“. Dadurch erklären sie Dinge manchmal nur halb oder springen gedanklich zu schnell. Das führt dazu, dass sie gute Ideen haben, aber nicht alle im Raum mitnehmen.
Wenn man lernt, eine klare Präsenz aufzubauen, verständlich zu sprechen und Geschichten zu erzählen, die Menschen abholen, dann verändert sich alles. Man schafft Verständnis, man baut Vertrauen auf und man wird als Führungskraft viel greifbarer. Und am Ende ist es genau das, was technische Teams, Organisationen und Projekte wirklich voranbringt.
A2B: Viele unterschätzen die Stimme. Welche Erkenntnis aus der Stimm- und Phonetikarbeit nimmst du als nachhaltige Veränderung in deine berufliche Kommunikation mit?
Martinez: Ich habe aus der Arbeit an Stimme und Phonetik vor allem eines mitgenommen: mir Zeit zu nehmen. Ich spreche bewusster, formuliere meine Gedanken klarer und spreche Wörter wirklich komplett aus. Das klingt simpel, aber es macht einen riesigen Unterschied.
Ich merke, wie viel ruhiger meine Stimme klingt, wenn ich nicht hetze, und wie viel eindeutiger meine Aussagen werden, wenn ich sie wirklich zu Ende bringe. Dadurch verstehen Menschen besser, was ich meine, und meine Wirkung wird automatisch stärker und klarer. Das ist für mich eine Veränderung, die ich jeden Tag im Job spüre.
A2B: Wenn du an deinen TEDx-Auftritt denkst: Was willst du, dass das Publikum spürt, wenn du auf der Bühne stehst?
Martinez: Wenn ich an meinen TEDx Auftritt denke, dann wünsche ich mir vor allem, dass das Publikum spürt, dass ich echt bin. Ich zeige mich zum ersten Mal auf einer größeren Bühne auch von einer verletzlichen Seite und das ist für mich etwas Besonderes. Ich möchte, dass die Menschen meine Leidenschaft für das Thema fühlen und dass sie ins Nachdenken kommen. Nicht weil ich ihnen etwas vorschreibe, sondern weil sie merken, warum mir das Thema so wichtig ist und was es mit uns allen zu tun hat.
A2B: Gibt es etwas, das du heute bewusst anders machst oder erlebst, weil du verstanden hast, dass Wirkung nicht im Kopf entsteht, sondern im Menschen gegenüber?
Martinez: Der gesamte Vorbereitungsprozess auf den TEDx Talk hat mir gezeigt, dass eine Idee nichts ist, das mir gehört oder bei mir bleiben soll. Ich habe verstanden, dass meine Aufgabe darin besteht, sie so gut wie möglich weiterzugeben. Ich bin im Grunde nur das Medium, der Träger, derjenige, der ihr eine Form gibt.
In einem TEDx Kontext bedeutet das, die Idee auf ihren Kern zu bringen und alles wegzulassen, was drumherum nur ablenkt. Es heißt auch, an meiner Präsenz, meiner Stimme und meinem Storytelling zu arbeiten und mich darauf zu konzentrieren, dass im Kopf des Publikums genau der Gedanke entsteht, den ich teilen möchte. Und es bedeutet, zu akzeptieren, dass es auf der Bühne nicht um mich geht, sondern darum, dass andere die Idee klar sehen, erkennen und verstehen können, damit sie für sich selbst etwas daraus machen können.
Seit ich das verstanden habe, denke ich weniger darüber nach, wie ich wirke, und mehr darüber, was beim anderen ankommt.



