Lampenfieber im Chefbüro: Ganz normal, nur keiner sagt’s
Der Vorstand steht vor dem Team. Dreißig Augenpaare, ein Mikro, ein bisschen zu helles Licht. Das Thema: der neue Kurs für das kommende Jahr. Es ist alles durchdacht. Die Strategie steht. Die Zahlen sind gut. Die Präsentation perfekt vorbereitet. Trotzdem spürt man’s: Die Stimme zittert leicht, die Hände wollen irgendwo hin, die Knie sind… nicht ganz so stabil wie sonst. Und dann kommt noch die Angst vor dem Versagen dazu. Nicht vor dem eigenen, sondern davor, die Kontrolle zu verlieren – vor der Technik, die versagt, oder anderen Störungen, die man nicht beeinflussen kann.
Es ist Lampenfieber. Und das bei jemandem, der seit zwanzig Jahren Führungsverantwortung trägt. Kein Rookie, kein Praktikant. Sondern ein Vollprofi.
Kommt vor? Ja. Redet jemand drüber? Kaum.
Wir leben in einer Businesswelt, in der Souveränität zur Grundausstattung gehört. Wer oben steht, soll sicher auftreten. Stärke zeigen. Wirkung entfalten. Bloß keine Unsicherheit. Bloß kein Hadern. Doch die Wahrheit ist: Lampenfieber macht keine Ausnahmen – auch nicht für Geschäftsführende, Bereichsleiterinnen oder Keynote-Speaker mit Goldstatus.
Die entscheidende Frage ist nicht: Haben Sie Lampenfieber?
Die entscheidende Frage ist: Was machen Sie damit?

Zwischen Spannung und Show: Der Unterschied macht den Unterschied
Lampenfieber ist nicht automatisch ein Problem. Es ist ein Signal. Der Körper sagt: „Achtung, hier passiert gleich etwas Wichtiges.“ Er schaltet auf Aktivmodus. Puls, Atmung, Aufmerksamkeit – alles wird hochgefahren. Der Fehler liegt nicht im Gefühl selbst, sondern darin, wie damit umgegangen wird.
Es gibt zwei klassische Strategien, wie sich Menschen mit viel Verantwortung gegen diese Nervosität „schützen“:
- Vermeiden, verstecken, verdrängen. Die berühmte Pokerface-Taktik. Bloß nicht auffallen. Bloß keine Emotion zeigen.
- Zittern, kämpfen, durchhalten. Der Körper zittert, die Stimme schwankt, aber man versucht es zu überspielen. Spoiler: Das Publikum merkt’s trotzdem.
Beides kostet Energie. Und beides verhindert Präsenz.
Was stattdessen möglich ist: Die Spannung nutzen. Lampenfieber in eine professionelle Wachheit umwandeln. Nicht wegmachen – sondern einsetzen. Denn genau diese Aufregung kann die nötige Schärfe bringen, die uns präsent, klar und überzeugend macht.
Wie Sie Lampenfieber in Wirkung verwandeln – 5 Impulse aus dem Schauspieltraining
Schauspieler*innen kennen das Gefühl gut. Vorhang auf, Licht an, Herzklopfen – und trotzdem liefern. Nicht trotz Lampenfieber, sondern damit. Was man von der Bühne ins Business mitnehmen kann:
- Annehmen statt Wegdrücken: Lampenfieber benennen („Ich bin wach – nicht unsicher.“) hilft, es zu kanalisieren.
- Atmen hilft. Immer. Bewusstes Atmen beruhigt das System – und gibt der Stimme Boden.
- Fokus nach außen richten: Wer bei sich ist, verliert das Publikum. Wer zum Publikum spricht, gewinnt Wirkung.
- Rituale etablieren: Schauspieler haben Auftrittsrituale. Führungskräfte sollten das auch. Es strukturiert den Übergang von Innen nach Außen.
- Training macht’s leichter: Wirkung, Präsenz, Umgang mit Nervosität – alles trainierbar. Nur reden hilft nicht. Tun ist besser.
Lampenfieber ist keine Schwäche. Es ist ein Zeichen, dass Sie da sind. Dass Ihnen etwas wichtig ist. Und genau das macht Sie menschlich – und nahbar. Wer souverän mit der eigenen Nervosität umgehen kann, zeigt nicht weniger Kompetenz, sondern mehr. Denn wer Spannung halten kann, hält auch andere.
Oder wie eine Klientin es neulich sagte:
„Ich will nicht cool wirken. Ich will echt rüberkommen – mit Haltung.“
Ziel erreicht.



